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Marius Deuer schlägt Großmeister in Krakau!

Marius Deuer schlägt Großmeister in Krakau!

am 31. Dezember 20201 Kommentar

Das Jahr 2020 war in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches Jahr. In Blick auf Marius‘ Schachjahr ohne Frage im positiven Sinne – doch das Beste sollte wieder einmal zum Schluss kommen.

Schachturniere zwischen Weihnachten und Neujahr gehören für viele tausende Schachfreunde zur festen Jahresplanung. Doch wenig überraschend fielen die meisten Turniere in diesem Jahr Corona zum Opfer. So verbringt Marius Deuer erzwungenermaßen die Tage zwischen den Jahren nicht im schwäbischen Böblingen, sondern in Krakau, der zweitgrößten polnischen Stadt, und schreibt beim dortigen Schachfestival sein außergewöhnliches Schachjahr fort.

Denn was ihm im Sommer beim Innsbrucker Schachfestival noch knapp verwehrt blieb, gelang ihm vor zwei Tagen in der dritten Runde, als er mit den schwarzen Steinen einen Großmeister bezwingen konnte. Damit gelang Marius mit gerade einmal 12 Jahren etwas, was wohl den meisten in ihrem Schachleben vorenthalten bleibt. Nach Durchsicht der Partie fühlte ich mich ähnlich wie nach meinem letzten Europapark-Besuch: durchgerüttelt und schwummrig nach eindeutig zu vielen Aufs und Abs.

Der anfängliche Partieverlauf deutete zunächst auf einen klaren Favoritensieg hin. Beide Spieler fackelten nicht lange und landeten schnell in einer scharfen Stellung mit heterogenen Rochaden. Der Angriff des Großmeisters schien jedoch schneller ins Rollen zu kommen, und so musste Marius im frühen Mittelspiel bereits einige kritische Momente überstehen. In unübersichtlicher Stellung leistete sich der Favorit dann aber zwei ungenaue Züge hintereinander – das reichte für Marius, um einen scharfen Konter gegen den weißen König zu setzen. Fortan diktierte nur noch Marius das Geschehen, und als sich der Rauch verzogen hatte, sah sich der Großmeister in einem schlechten Turmendspiel mit Minusbauer wieder. Marius‘ Endspieltechnik wollt er sich dann nicht mehr zeigen lassen.

Da ich mich nicht imstande sehe, die Partie kompetent zu kommentieren, präsentiere ich ein paar Highlights der Partie als Galerie. Bilder sagen schließlich sowieso mehr als tausend Worte, oder? In diesem Sinne…without further ado, I present to you:

Ultrascharfe Spielanlage des Großmeisters. Am Ende sollte er sich am eigenen Feuer verbrennen.

Stellung nach 18.Lxh6

Der weiße Angriff schien durchzuschlagen, doch Marius warf sich mit 18…Sc4 mit aller Macht dagegen.

Stellung nach 24.Tf4

Die beiden letzten weißen Züge 23.De3 und 24.Tf4 erlaubten Marius das Comeback. Er ergriff die Chance beim Schopfe und startete mit 24…cxb3 25.axb3 Lxb3! einen Gegenangriff!

Schlussstellung

35.Tf1 war der letzte Fehler der Partie – nach 35…Tb4 sind die weißen Bauern am Königsflügel reif zum Pflücken. Stattdessen hätte 35.Td4 noch etwas mehr Widerstand geleistet, wobei es auch hier nur ein Spiel auf zwei Ergebnisse bleibt.

Durch ein Remis in der folgenden Runde gegen einen IM (ELO 2464) hat Marius nun im Live-Rating bereits 2300 Elo (!) überschritten. Im Dezember 2019 lag sein Elo-Rating bei 2049. Zahlen, die Marius‘ atemberaubende Entwicklung in einem Jahr fassbar machen. Eben außergewöhnlich.

Wer in den weiteren Runden mitfiebern möchte, kann Marius‘ Partien hier live verfolgen.

An dieser Stelle allen Schachfreunden ein frohes und vor allem gesundes neues Jahr 2021! Auf dass wir uns nach diesem schwierigen Jahr bald wieder öfter auf und neben dem Brett treffen können. Bleibt gesund und sicher!

PS: Da wir auf nicht absehbare Zeit noch auf Online-Schach angewiesen sein werden, sei hier erwähnt, dass sich einige Schachfreunde seit geraumer Zeit für Trainingspartien mit längeren Bedenkzeiten auf lichess treffen. Wer Interesse hat, einfach unserem Lichess-Team beitreten und eine Anfrage schreiben, dann wird sich sicher ein Spielpartner finden 🙂

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