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Vierte zwischen Hui und Pfui

Vierte zwischen Hui und Pfui

am 13. November 2019Kommentare geschlossen

Ein Bericht über zwei vollkommen gegensätzliche Spieltage.

Hört ihr lieber die gute oder die schlechte Nachricht zuerst? Falls ihr wie ich lieber die schlechte Nachricht zuerst hört, muss ich euch im Falle dieses Berichtes leider enttäuschen. Die Chronologie der Ereignisse lässt mir keine andere Wahl, als euch zunächst mit Glück zu überhäufen, nur um dann im nächsten Moment alles kaputt zu machen. Sorry dafür. Die gute Nachricht dabei: man kann nach der Hälfte einfach aufhören zu lesen. An alle anderen, die weiterlesen: ihr seid vorgewarnt.

Bereits vor zwei Wochen traf unsere vierte Mannschaft auf die gleichrangige Auswahl der Jedesheimer, und musste dabei erneut auf zwei Stammkräfte verzichten, die abermals von Dominik Cirillo und Ilya Zormatova vertreten wurden. Obgleich auch die Jedesheimer zwei Ersatzspieler bemühen mussten, waren die Gastgeber auf dem Papier leicht favorisiert, am Ende jedoch hieß es…

SV Jedesheim 4 – SC Weiße Dame Ulm 4   3:5

Nach etwas mehr als zwei Stunden Spielzeit endeten gleich drei Partien auf einmal: Ilya Zormatova (8) konnte in einem eigentlich ausgeglichenen Turmendspiel plötzlich zwei Bauern gewinnen und diese in den vollen Punkt ummünzen. Dominik Cirillo (7) konnte seinen anfänglichen Druck auf die gegnerische Stellung nicht aufrechterhalten und einigte sich mit seinem Gegner auf Remis. Ljubisav Topalovic (6) verlor ausgangs der Eröffnung einen Bauern, konnte aber in ein ungleichfarbiges Läuferendspiel abwickeln. Seine Gegnerin wollte selbiges nicht auskämpfen und willigte ins Remis ein.

Anschließend baute Erich Bornmüller (3), dessen Kontrahent seinen schön inszenierten Königsangriff nur unter Materialverlust stoppen konnte, die Führung weiter aus. Von den verbliebenen vier Partien schien lediglich die Stellung von Berthold Sauter (5) etwas bedenklich zu sein, die anderen konnten sich Hoffnungen auf den vollen oder zumindest den halben Punkt machen. Dann jedoch bewahrheitete sich einmal mehr eine Schach-Weisheit der unbequemeren Sorte:

„Ein schlechter Zug macht vierzig gute zunichte“ – Bernhard Horowitz

Wahrscheinlich gibt es keinen Schachspieler, der dieses Zitat nicht mit gequälten Gesichtsausdruck bejahen kann und dabei an verlorene, sicher geglaubte Punkte zurückdenkt. „Warum tue ich mir das an?“, frage ich mich in solchen Situationen dann oft, ohne daraus ernsthafte Konsequenzen zu ziehen. Eine solche Erfahrung machte an diesem Tage leider auch unser Mannschaftsführer Norbert Kelemen (4), der in überwältigender Stellung die taktische Widerlegung seines Gewinnplanes übersah und plötzlich unlösbaren Problemen gegenüberstand. Nur wenige Minuten später musste auch Berthold seine Gegenwehr einstellen, sodass aus der komfortablen Führung ein erneuter Gleichstand geworden war. Dann allerdings kam in der Partie von Frederic Goda (2), der die schwarzen Steine führte, folgendes Bauernendspiel aufs Brett:

Schwarz steht hier besser, vielleicht sogar auf Gewinn, allerdings hätte der Anziehende die Gewinnführung noch maximal erschweren können. Seht ihr, wie?

Nachdem Freds Gegner das Endspiel bis zu diesem Zeitpunkt perfekt verteidigt hatte, griff er hier fehl, und nach wenigen weiteren Zügen erfolgte die Aufgabe. Meine eigene Partie endete nur wenige Augenblicke später recht glücklich, da meine Gegnerin die Zeit überschritt. Die Verwertung des Mehrbauerns hätte ansonsten wahrscheinlich noch einige Zeit (und Nerven) beansprucht.

Damit stand die Vierte gleichermaßen überraschend wie glücklich nach zwei Spieltagen noch mit blütenweißer Weste dar. Dass unser Höhenflug irgendwann einmal gestoppt werden würde, war erwartbar, allerdings….

SC Weiße Dame Ulm 4 – TSV Berghülen 1   2:6 (Aua!)

…hätte er nicht gleich mit so einer Bruchlandung enden müssen. Das vermeintliche Spitzenspiel (auch Berghülen hatte die ersten beiden Spiele gewinnen können) war eine ziemlich einseitige Angelegenheit, und das beste aus Ulmer Sicht war wohl, dass das Match nach nur zweieinhalb Stunden schon vorbei war. Kurz und schmerzvoll sozusagen. Zugegeben, nur zu siebt und ohne drei Stammspieler konnte man auch nicht allzu viel erwarten, allerdings reichte die Tagesform auch schlicht nicht aus, um den starken Berghülenern wirklich gefährlich zu werden.

Nach bereits etwas mehr als einer Stunde war die Partie von Bernd Rieken (4) bereits beendet. Nachdem sich ausgangs der Eröffnung bereits einige Leichtfiguren abgetauscht hatten, sah wohl keine Partei einen Grund, die Schlacht weiter fortzuführen, und man einigte sich auf Remis. Eine halbe Stunde reichte auch Robert Gerdes (7) seinem Gegner die Hand zum Friedensschluss. Mit den schwarzen Steinen hatte er wenig Mühe, zum Ausgleich zu gelangen, und die Partie verließ anschließend nie mehr die Remisbreite. Erich Bornmüller (2) geriet mit den weißen Steinen bereits in der Eröffnung am Damenflügel unter Druck. Erich gelang es zwar zunächst, seine Stellung zu verteidigen, dann allerdings krönte sein Gegner sein schönes positionelles Spiel mit einer hübschen „petit combinaison“, wonach der weiße Verteidigungswall zusammenbrach. Erich hatte genug gesehen und gratulierte seinem Gegner. Da bald darauf der Monarch von Dennis Wehrwein (8) trotz tapferen Widerstandes Matt gesetzt wurde und Ljubisav Topalovic (5) nach einer wilden Königsgambit-Partie, die wahrscheinlich jeden Schach-Romantiker zu Tränen gerührt hätte, mit zwei Minusbauern im Endspiel chancenlos war, war das Match bereits gelaufen. Dementsprechend schnell einigte man sich in den beiden verbliebenen Partien auf ein Remis, wobei die Stellung von Volker Eberle (6) durchaus noch auf den vollen Punkt hätte gespielt werden können. Mein Remis hingegen war ziemlich schmeichelhaft. Mein Gegner randalierte früh am Königsflügel, was objektiv wahrscheinlich nicht gänzlich korrekt war, allerdings kam ich am Brett überhaupt nicht damit zurecht und konnte am Ende froh sein, in schlechterer Stellung mit einem Remis davonzukommen.

Im Anschluss an das Match meinten die sympathischen Berghülener noch, sie hätten ihr Ziel, den Klassenerhalt, nun so gut wie erreicht. Dafür sollten sie allerdings auch mal verlieren – ansonsten werden sie das Ziel vielleicht doch noch verfehlen 😉
Für unsere vierte Mannschaft hatte diese deftige Klatsche vielleicht auch etwas Gutes, da sie den ein oder anderen vor etwaigem Größenwahn bewahrt hat. Im letzten Spiel des Jahres 2019 trifft die Vierte noch auf Langenau, wobei der Spielbericht darüber dann hoffentlich nur gute Nachrichten beinhaltet.

Br. SV Jedesheim 4 SC Weiße Dame Ulm 4 3:5
1 Zell, Mirjam (1680) Kelemen, Alexander (1806) 0:1
2 Kühn, Bernd (1611) Goda, Frederic (1657) 0:1
3 Frommer, Reinhard (1618) Bornmüller, Erich (1594) 0:1
4 Henle, Arthur (1591) Kelemen, Norbert (1563) 1:0
5 Jeckle, Markus (1553) Sauter, Berthold (1328) 1:0
6 Schirra, Sabine (1446) Topalovic, Ljubisav (1289) ½:½
7 Geiger, Rolf (1551) Cirillo, Dominik (1452) ½:½
8 Rimmele, Paul (1377) Zormatova, Ilya (1351) 0:1

 

Br. SC Weiße Dame Ulm 4 TSG Berghülen 1 2:6
1 Kelemen, Alexander (1806) Honold, Gerhard (1595) ½:½
2 Bornmüller, Erich (1594) Werner, Benjamin (1776) 0:1
3 Kikic, Radovan (1511) Möller, Jan-Christian (1746) -:+
4 Rieken, Bernd (1366) Kast, Karl (1552) ½:½
5 Topalovic, Ljubisav (1289) Renz, Peter (1551) 0:1
6 Eberle, Volker (1262) Schüle, Thomas (1452) ½:½
7 Gerdes, Robert (1258) Mangold, Hans (1350) ½:½
8 Wehrwein, Dennis (1146) Böss, Franz (1325) 0:1

Zur 4. Mannschaft

Lösung:

1.Ka2! ist der einzige Zug, der Weiß noch einigermaßen im Spiel hält. Schwarz kann nur mittels 1…c4 Fortschritte machen, wonach sich nach 2.bcx4 Kxc4 3.Ka3 Kd4 4.Kb4 Ke4 5.Kc5 Kxf4 6.Kd6 Kg4 7.Kxe6 f4 8.Kd6 f3 9.e6 f2 10.e7 f1/D 11.e8/D Kxh4 ein Damenendspiel mit Mehrbauer für Schwarz ergibt. Vielleicht gewonnen für Schwarz, zwischen zwei Menschen aber sicherlich noch in der Remisbreite.

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