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Zweite angelt am Bodensee

Zweite angelt am Bodensee

am 10. Oktober 2019Kommentare geschlossen

Zwar keinen Fisch, dafür aber die ersten zwei Saisonpunkte – und sorgt damit für eine erste kleine Überraschung.

SC Tettnang 1 – SC Weiße Dame Ulm 2   3,5:4,5

„Die spannendste Serie Deutschlands“ – so wirbt das Erste Deutsche Fernsehen seit dieser Saison für die samstägliche Sportschau. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, die Landesliga-Saison 2019/20 wird mindestens genauso spannend – und unsere Zweite ist mitten drin, statt nur dabei, und das nun schon im zehnten Jahr in Folge!

Der größte personelle Umbruch über die Sommerpause vollzog sich in unserer Landesliga-Mannschaft. Nach zahlreichen Abgängen ehemaliger Stammspieler stand die Einsatzbereitschaft unserer Zweiten, schon auf der Kippe. Doch dank der Zusage dreier Spieler kann Mannschaftsführer Thomas Hartmann nicht nur auf einen vollständigen, sondern auch auf den vielleicht stärksten Kader seit langem zurückgreifen. Mit Johannes Bathray, Matthias Schwab und Marius Deuer stießen drei Spieler, die ohne weiteres mindestens eine Klasse höher spielen könnten, hinzu. Außerdem wird die Zweite noch von Dominik Schmid verstärkt, der nach längerer Schachpause wieder zurück in den Ring steigt. Herzlich willkommen!

Dass die Zweite trotz dieser hochkarätigen Zugänge in der Statistik „nur“ auf Rang 5 rangiert, zeigt, wie stark die Landesliga diese Saison besetzt ist. Da wäre zum einen die Truppe aus Markdorf, die schon letzte Saison klarer Aufstiegsfavorit war – wären da nicht die SF Mengen gewesen, die alle Statistik Lügen straften und als vermeintlich schlechteste Mannschaft der Liga mit drei Punkten Vorsprung auf Platz 2 in die Verbandsliga aufstiegen. Der zweite Favorit auf den (Wieder-)Aufstieg ist Tettnang, seines Zeichens Absteiger aus der Verbandsliga und Auftaktgegner unserer Zweiten. Härter hätte es unsere Zweite als zu Beginn nicht treffen können. Nun aber genug der Vorrede – kommen wir zu den Geschehnissen auf den Brettern. Dass ich dazu was schreiben kann, ist Johannes zu verdanken, der die Partien für mich stichpunktartig zusammengefasst hat – vielen Dank dafür!

Die Hausherren erwischten den besseren Start. Thomas Hartmann (5) verbrauchte wie sein Gegner nach unorthodoxer Eröffnung viel Zeit und griff in vorteilhafter Stellung fehl, was der Tettnanger auszunutzen wusste. Das 2:0 für die Tettnanger fiel an Brett 7, wo Philipp Lerche nach langer Theoriedebatte plötzlich einen Bauern verlor und anschließend im Leichtfigurenendspiel das Nachsehen hatte. Den Ulmern gelang es anschließend aber, das Spiel komplett zu drehen. Den Auftakt zur Aufholjagd machte Robert Mierzwa (4), der in einer seiner Lieblingsvarianten seine Gegnerin in eine völlig unübersichtliche Stellung zwang und am Ende über zu starke Drohungen verfügte. Unser frisch gebackener Vereinsmeister Matthias Schwab (3) verfügte bereits ausgangs der Eröffnung über ein strategisches Plus und konnte dieses bei knapp werdender Zeit des Gegners sukzessive zum vollen Punkt verdichten.

Marius Deuer (2) gelang in seinem saisonübergreifend dritten Einsatz in der zweiten Mannschaft der dritte Sieg. Nach einem temporären Bauernopfer von Marius gerieten Dame und Läufer des Gegners auf Abwege, Marius gewann eine Leichtfigur und verwertete den Materialvorteil sicher. Dominik Schmid (8) behandelte in seiner ersten Turnierpartie nach einigen Jahren Schachentzug die Eröffnung etwas zu passiv und geriet schnell auf beiden Flügeln unter Druck. Am Ende wurde ihm seine schwache siebte Reihe zum Verhängnis.

Beim Stande von 3:3 brachte Johannes Bathray (1) die Gäste erneut in Front: in einem damenlosen Mittelspiel besaß er zunächst dank des Läuferpaars ein leichtes Plus, anschließend fielen im gegnerischen Lager nach einer etwas vorwitzigen Königsaktivierung zunächst einer, dann ein zweiter Bauer. Im Turmendspiel ließ Johannes dann nichts mehr anbrennen.

Helmut Deißler (6) machte schließlich dank einer kämpferischen Verteidigungsleistung den Deckel drauf. Die ganze Partie über besaß er eine etwas passive Stellung bei gegnerischer Initiative. Dank umsichtiger Verteidigung jedoch konnte er sich in ein Endspiel retten, in dem er sogar die besseren Chancen besaß. Mannschaftsdienlich wie eh und je gab er die Partie aber Remis und zurrte damit den durchaus überraschenden, aber nicht unverdienten Mannschaftssieg fest.

Wo also wird die Reise unserer Zweiten hingehen? Vieles wird sicher davon abhängen, wie häufig man die Top-Besetzung an die Bretter bekommt. Bekanntlich soll man ja nichts beschreien, dennoch wage ich mich zumindest mal soweit vor: das Abstiegsgespenst sollte unsere Zweite in dieser Saison zumindest weniger oft heimsuchen als in den letzten Jahren. Die zehnte Staffel der erfolgreichen Serie „Zweite in der Landesliga“ ist angelaufen – mit der zweiten Folge am 27. Oktober gegen Jedesheim.

Br. SC Tettnang 1 SC Weiße Dame Ulm 2 3,5:4,5
1 Kohn, Thomas (2106) Bathray, Johannes (2094) 0:1
2 Längl, Jürgen (2094) Deuer, Marius (2018) 0:1
3 Barthelmann, Benno (2026) Schwab, Matthias (2111) 0:1
4 Leser, Katrin (1995) Mierzwa, Robert (2000) 0:1
5 Kaiser, Marius (1969) Hartmann, Thomas (1876) 1:0
6 Kreuzahler, Marc (1957) Deißler, Helmut (1837) ½:½
7 Gobbo, Francesco (2029) Lerche, Philipp (1773) 1:0
8 Sterk, Jonas (1878) Schmid, Dominik (1840) 1:0

Zur 2. Mannschaft

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