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Zweite siegt im Duell der Enttäuschten mit viel Glück – Sechste mit Frauenpower in Westerstetten

Zweite siegt im Duell der Enttäuschten mit viel Glück – Sechste mit Frauenpower in Westerstetten

am 20. Februar 2019Kommentare geschlossen

Am vergangenen Sonntag musste die Zweite die Reise nach Weingarten zum Gipfeltreffen der Kellerkinder antreten. Parallel musste unsere Sechste in Westerstetten ran.

SV Weingarten 1 – SC Weiße Dame Ulm 2    3,5:4,5

Abstiegskampf ist nie einfach, vor allem dann nicht, wenn man gegen direkte Konkurrenten antreten muss und eine Niederlage gleich doppelt so schwer wiegt. Im Fall unserer Zweiten wurde die Gesamtsituation noch dadurch verstärkt, dass der Gegner eigentlich ganz wo anders zu finden sein sollte als auf dem letzten Tabellenplatz. Angeführt von den ersten drei Brettern mit >2000 DWZ war Weingarten vor der Saison eher ein Kandidat für die obere Tabellenhälfte. Doch sowieso führt diese Landesliga-Saison alle Statistik ad absurdum: die Truppe aus Mengen, von den Wertungszahlen her Schlusslicht der Liga (!), spielt vielleicht die Saison ihres Lebens und grüßt die viel stärker eingeschätze Konkurrenz mit 12:2 Mannschaftspunkten von der Tabellenspitze. Auch unsere Zweite bekam am letzten Spieltag zu spüren, wie stark Mengen in dieser Saison spielt, als man zuhause eine 2,5-5,5 Packung hinnehmen musste.

Um die Bedeutung dieser Begegnung zu begreifen, reichte ein Blick auf die Tabelle: Weingarten stand vor dieser Runde mit 3 Mannschaftspunkten auf dem letzten Tabellenplatz, während wir mit nur einem Punkt Vorsprung den drittletzten Platz einnahmen. Da im schlechtesten Fall drei Mannschaften aus der Landesliga absteigen können (je nachdem, was aus der Oberliga runter muss), war klar, dass beiden Mannschaften nur ein Sieg wirklich weiterhelfen würde.

Auf unserer Seite fehlten drei Stammspieler, die durch Marius Deuer, Franz Schmid und Albert Lepschi vertreten wurden. Weingarten musste ebenfalls auf 2 Spieler verzichten, sodass sich auf dem Papier zwei etwa gleichwertige Mannschaften gegenüberstanden. Auf den Brettern legte dann zunächst Weingarten vor…

…denn Philipp Lerche (3) entschied sich für einen völlig natürlichen Entwicklungszug, anstatt zu rochieren – und musste anschließend hilflos zusehen, wie sein König in der Mitte zunächst festgehalten und wenige Züge später Matt gesetzt wurde. Das gegnerische 1…b6!? war zwar keine Überraschung, aber deshalb nicht weniger unangenehm zu bespielen. Vielleicht werden solche Eröffnungen zu unrecht etwas schief angeschaut – giftig sind sie allemal.

Den Ausgleich erzielte wenig später Albert Lepschi (8), der nach einer missglückten Kombination seines Gegners Material gewann und dieses sicher in einen vollen Punkt umwandeln konnte. Marius Deuer (6) präsentierte sich in seinem zweiten Einsatz in der Landesliga äußerst mannschaftsdienlich, als er in einer ausgeglichenen Stellung mit Schwarz ein Remisangebot ablehnte und auf Gewinn spielte. Ein Rechenfehler des Gegners bescherte Marius in der Folge eine Mehrfigur, die er dann zum Sieg verdichten konnte und uns in Führung brachte.

Weingarten schlug aber sogleich doppelt zurück und ging abermals in Führung. Euer Berichterstatter war an diesem Tag nämlich schlicht  chancenlos: eine falsche Entscheidung im frühen Mittelspiel in Form einer verfrühten Stellungsöffnung führte zu einem schlechteren Damenendspiel mit isoliertem c – und a-Bauer. Das überzeugende Spiel meines Gegners und meine schlampige Verteidigung sorgten für den 2:2-Ausgleichstreffer. Nur kurze Zeit später musste auch Heiko Sieber (1) die Waffen strecken. Heiko experimentierte im Vorstoß-Franzsoen mit 4.Lb5+!?, konnte seinen Gegner damit aber nicht verwirren und geriet im Mittelspiel auf beiden Flügeln unter Druck, bis die schwarzen Figuren schließlich in seine Stellung einfielen und die Partie zu seinen Ungunsten beendeten.

Auf den verbliebenen drei Brettern sah es nun wahrlich nicht gut für uns aus – zwar stand Helmut Deißler (2) mit einer Mehrqualität auf Gewinn, aber da Franz Schmid (7) nach zunächst überwältigender Stellung eine Figur verlor und David Ringhut (5) seit dem frühen Mittelspiel eine schwierige Stellung verteidigen musste, befürchteten einige von uns schon das Schlimmste. Nervöses Auf – und Abgehen im Spielsaal und aufgeregtes Getuschel auf dem Gang zeugten von der Anspannung aller Akteure. Schließlich steuerte Helmut seine Partie sicher zum vollen Punkt. In der Zwischenzeit konnte sich David mit Weiß nach langem Verteidigungskampf in folgendes kompliziertes Endspiel retten. Am besten schnappt ihr euch ein Brett und schaut euch das mal an, es lohnt sich. 🙂

Schwarz saß im Verlauf der Partie stets am längeren Hebel, verpasste es aber, die Partie früher zu seinen Gunsten zu beenden. Dieses Endspiel ist nun ein Spiel auf drei Ergebnisse, auch wenn ich denke, dass Schwarz langsam eher in den Verteidigungsmodus schalten sollte, da die weißen Freibauern am Königsflügel schon ziemlich weit nach vorne gerückt sind. Mein Computer bewertet diese Stellung mit 0.00, was wohl zu einem nicht geringen Teil an den ungleichfarbigen Läufern liegen mag. Zwischen zwei menschlichen Gegnern ist so ein kompliziertes Endspiel freilich noch weit vom Remisschluss entfernt.

52…Tf1+ 53. Ke4 a5??

Schwarz hätte vermutlich 53…Ld6 spielen sollen, um den weißen König von dem Feld e5 fernzuhalten. Nach 54.Kd5 Lf4! hält Schwarz die Partie im Gleichgewicht, wobei die Partie natürlich nach wie vor äußerst kompliziert bleibt. Von daher kann man keinem der beiden Spieler für etwaige Fehler einen Vorwurf machen!

54. Ke5! +-

David spielte in den nächsten Zügen nun sehr präzise. 54.f6+? wäre hingegen ein Fehler gewesen, denn nach 54…Kg6-+ sind die weißen Freibauern die längste Zeit gelaufen. Nach 54.Ke5 ist das Feld g6 vom weißen Läufer überdeckt, und tatsächlich sind die weißen Bauer nun nicht mehr aufzuhalten!

54…Tf2 55.f6+ Kf8

Auch andere Königszüge verlieren:

a) 55…Kh8 56. Txf2 exf2 57.Ld3 a4 58. g6 Lf8 mit der Idee sich auf g7 zu opfern, aber Weiß kann seinen König rechtzeitig zur Untersützung hinzuholen 59.Ke6 a3 60.Kf7 und Schwarz geht Matt. Ein Tempo weniger, und Weiß wäre verloren!

b) 55…Kg8 56.Ld3! mit ähnlichem Verlauf wie in der Partie.

56.Ld3!

Während des Kibitzens dachte ich, dass Weiß 56.g6 spielen sollte, aber David ließ sich richtigerweise nicht dazu hinreißen! Tatsächlich wäre das ein fürchterlicher Fehler gewesen, da Schwarz mit 56…Ld6+!! die Partie auf spektakuläre Weise hätte retten können, auch wenn im folgenden noch einige einzige Züge hätten gefunden werden müssen. 57.Kxd6 Txf6+ 58.Ke5 Tf2! 59.Ld3 Txe2! 60.Lxe2 Kg7 und Schwarz erobert den letzten weißen Bauern, da Weiß nach 61.Kf5?? sogar noch verliert! 61…a4!-+ und plötzlich rennen die schwarzen Bauern ins Glück, da der weiße Läufer nicht beide Bauern aufhalten kann. Zwar deckt er von c4 aus die beiden Felder a2 und e2, doch einer der beiden schwarzen Bauern wird sich opfern, und der andere zur Umwandlung gelangen. Weiß hingegen hat keine Chance, seinen Freibauern noch zu aktivieren, da der schwarze König auf einem schwarzen Feld steht und deshalb nicht vertrieben werden kann. 62.Ke4 a3 63.Lc4 e2 und Schwarz gewinnt.

56…a4 57.g6

57.Txf2 wäre noch etwas präziser gewesen, da es Ideen wie 57…Ld4+ oder 57…Ld6+ aus der Stellung nimmt. Aber selbst in diesen Fällen gewinnt Weiß, z.B. 57…Ld6+ 58.Ke6! (Dieser Zug ging in der obigen Variante nicht, da dort der Te2 noch nicht vom Läufer gedeckt war) oder 57…Ld4+ 58.Kxd4 Txf6 59.Txe3 +-

57…b5 58.Lxb5 (58.g7+ gewinnt forcierter) a3 59.g7+   1-0

Diese Analyse wurde natürlich mit Computer-Unterstützung erstellt. Am Brett sind diese viele Varianten für nicht-GMs kaum zu finden, behaupte ich mal. Falls jemand noch weitere spannende Varianten entdeckt – ab in die Kommentarfunktion! 🙂

Kurz bevor diese Partie beendet wurde, endete Franz‘ Partie im Remis, obwohl seine Stellung objektiv verloren war. Zwar besaß er für die Minusfigur zwei Bauern im Endspiel, aber realistische Schummelchancen lagen nicht mehr vor.

Schlussendlich nahmen wir also 2 Mannschaftspunkte aus Weingarten mit. Ein immens wichtiger Sieg für uns, dem neben einer verständlichen Erleichterung aber auch ein leicht fader Beigeschmack anhaftet, da er unterm Strich doch sehr glücklich zustande kam. Wären wir mit einer 3:5-Niederlage nach Hause geschickt worden, hätten wir uns wohl nicht beklagen dürfen. So aber konnten wir uns ein wenig von den Abstiegsrängen absetzten. Dennoch sollte in den beiden verbleibenden Spielen gegen die Post und Biberach noch etwas Zählbares herausspringen, um ganz sicher auch in der nächsten Saison Landesliga zu spielen.

Br. SV Weingarten 1 SC Weiße Dame Ulm 2 3,5:4,5
1 Szczep, Zbigniew (2138) Sieber, Heiko (1947) 1:0
2 Christ, Eberhard (2033) Deißler, Helmut (1845) 0:1
3 Kraft, Julian (2047) Lerche, Philipp (1789) 1:0
4 Günther, Stefan (1837) Kelemen, Alexander (1800) 1:0
5 Schmidt, Dirk (1808) Ringhut, David (1731) 0:1
6 Buth, Philipp (1713) Deuer, Marius (1924) 0:1
7 Hoffmann, Wieland (1591) Schmid, Franz (1918) ½:½
8 Müller, Hubert (1481) Lepschi, Albert (1709) 0:1

Zur 2. Mannschaft

TSV Westerstetten 1 – SC Weiße Dame Ulm 6   3:3

Spielbericht von Eugen Eiswirth

Es sind manchmal die kleinen Schritte die entscheidend sind und auch besonders viel Freude machen. So war es auch am letzten Sonntag, als ein zweites Unentschieden in Folge gereicht hat, um die sechste Mannschaft auf den vorletzten Tabellenplatz zu heben.

Diese sechste der sieben Runden wurde hauptsächlich von den Frauen unserer Mannschaft dominiert. Mokshadha holte auf Brett sechs den ersten Sieg für die Mannschaft. Kurz danach verzeichnete Marc einem Erfolg gegen einen etwas schwächeren Gegner auf Brett vier. Daniel Wehrwein musste sich auf Brett fünf geschlagen geben. In der späteren Analyse fand er einen illegalen Zug des Gegners, was im Nachhinein natürlich nicht mehr zu reklamieren war. Der Mannschaftsführer hat gegen einen deutlich stärkeren Gegner eine recht schwache Leistung am ersten Brett abgeliefert. Den dritten Sieg konnte Anna auf Brett zwei für sich (und die Mannschaft 🙂 ) verbuchen und damit das Mannschaftsremis sichern. Die längste Partie des Tages wurde auf Brett drei von Daniel Prieb gespielt, die er leider nicht für sich entscheiden konnte.

Insgesamt war es ein erfreulicher Spieltag bei bestem Sonntagswetter. Zum Abschluss der Saison steht noch ein Heimspiel gegen die sechste Mannschaft des SV Jedesheim an.

Br. TSV Westerstetten 1 SC Weiße Dame Ulm 6 3:3
1 Arndt, Edgar (1510) Eiswirth, Eugen (1114) 1:0
2 Pfaff, Andreas (1189) Bühler, Anna 0:1
3 Linder, Josef (1328) Prieb, Daniel (785) 1:0
4 Lisdorf, Lukas (716) Eiswirth, Marc (930) 0:1
5 Arndt, Jonas Wehrwein, Daniel 1:0
6 Pfaff, Leander (838) Nalam, Mokshadha (843) 0:1

Zur 6. Mannschaft

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