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Von Bauern, die Partien entscheiden – Zweite unterliegt in Markdorf

Von Bauern, die Partien entscheiden – Zweite unterliegt in Markdorf

am 19. Oktober 2018Kommentare geschlossen

Vergangenen Sonntag reiste die Zweite zu ihrem ersten Auswärtsspiel nach Markdorf.

SK Markdorf 1 – SC Weiße Dame Ulm 2   5:3

Da konnte man sich nur verwundert die Augen reiben: der Verbandsliga-Absteiger und klare Favorit in der diesjährigen Landesliga-Saison, der SK Markdorf, unterlag in der Auftaktrunde ohne seine beiden Spitzenbretter gegen starke Lindauer. Auf der anderen Seite konnten wir einen tollen Start gegen die Mitfavoriten aus Jedesheim  feiern, die zugegebenermaßen aber auf einige ihrer Spitzenkräfte verzichten mussten. So kam es also, dass wir am vergangenen Sonntag sogar als Tabellenführer nach Markdorf reisten! Dass wir uns darauf nichts einbilden konnten, war uns klar, spätestens aber ein Blick auf die Aufstellung zeigte, dass wir es ganz schwer haben würden, hier etwas mitzunehmen, da Markdorf dieses Mal mit ihrem über 2200-DWZ schweren Spitzenbrett antrat.

Kleiner FunFact am Rande: nach dem Abstieg des SV Friedrichshafen in der vergangenen Saison ist unsere zweite Mannschaft nun am längsten ununterbrochen in der Landesliga aktiv. Der Hamburger SV der Landesliga OS, sozusagen – zumindest vor einem Jahr wäre dieser Vergleich noch legitim gewesen. Hoffen wir, dass uns nicht das gleiche Schicksal wie den Dino ereilt!

Nun aber zu dem, was am Sonntag auf den Brettern passiert ist. Wie immer fasse ich das Geschehen dabei kurz zusammen. Für ausführlichere Analysen möchte ich an dieser Stelle auf die kompetenten Partienpräsentationen von Thomas Hartmann verweisen, die seit dieser Saison regelmäßig am Freitagabend stattfinden. Kommt vorbei – es lohnt sich allemal!

Die erste Partie des Tages endete an Brett 2, wo Heiko Sieber (2) mit den schwarzen Steinen in der Slawisch-Abtauschvariante bereits im sechsten Zug die üblichen theoretischen Pfade verließ. Bereits nach wenigen Zügen waren die meisten Leichtfiguren getauscht. Zwar schien es, als ob Weiß sich dank eines starken Springers auf c5 ein leichtes Übergewicht erspielt hätte, aber Heiko verteidigte sich umsichtig, und nach dem Abtausch der Türme verflachte die Partie, sodass sich die beiden Kontrahenten nach 27 Zügen auf Remis einigten.

Thomas Hartmann (3) wurde mit den weißen Steinen mit einem ungewöhnlichem Abspiel der Modernen Verteidigung konfroniert, in der Schwarz das weiße Zentrum früh mit …f5 attackierte, ohne davor seinen König in Sicherheit gebracht zu haben. In den folgenden komplexen Verwicklungen leistete sich Thomas leider einen Rechenfehler, der die Partie zu seinen ungunsten beendete.

Wie schnell ein unrochierter König zum Problem werden kann, bekam an diesem Tage  Helmut Deißler (4) zu spüren. Ein sehr verlockender Damenausflug an den Königsflügel ging leider nach hinten los, da Weiß die Dame unter viel Zeitgewinn zurückjagen konnte. Im richtigen Moment konnte Weiß die Stellung gegen den unrochierten schwarzen Monarchen öffnen und die Partie für sich entscheiden.

David Ringhut (8) preschte mit Schwarz früh mit seinen Damenflügel-Bauern nach vorne, allerdings mangelte es ihnen ein wenig an Unterstützung, sodass Weiß die Bauern unter starken Druck setzten und letztlich einen Bauern gewinnen konnte. Unglücklicherweise verblieb Weiß auch noch mit einem Freibauern auf der c-Linie, der rasch bis nach c5 vorstoßen konnte und das schwarze Spiel lähmte. Trotz tapferen Kampfes ergaben sich für David keine Schummelchancen mehr, er musste die Hand zur Gratulation reichen.

Für den Anschlusstreffer konnte dann meine Wenigkeit sorgen. Mit Weiß wollte ich meinen Gegner im Grünfeldinder mit 4.Lf4!? überraschen, einer Variante, die ich vor kurzem schon einmal anwandte und extra für die Partie vorbereitet hatte. Dieser Schuss ging allerdings nach hinten los, denn nach 4…c5 war ich es, der erst einmal überrascht war. Zwar wusste ich, dass Schwarz irgendwann einmal …c5 spielt, allerdings erst nach Zügen wie …Lg7 und …0-0. Es entwickelte sich eine merkwürdige Partie, in der ich einen Bauern mehr hatte, mein Königsflügel allerdings chronisch unterentwickelt war. Erst im 15. Zug (!) durfte mein armer Königsspringer ins Spiel eingreifen. Allerdings übersah mein Gegner einige Züge zuvor einen Doppelangriff, durch den ich Material und am Ende auch die Partie gewinnen konnte.

In den verblieben drei Partien spielte schließlich die Schachfigur die Hauptrolle, die Phillidor eins als „die Seele des Spiels“ bezeichnet hat: der Bauer. Angefangen mit der Partie am Spitzenbrett, in der Robert Mierzwa mit 1.c4 eröffnete und eine positionell geprägte Partie auf das Brett bekam. Irgendwann gelang es dem Schwarzen, einen Freibauern auf c3 zu kreieren. In der Folge erhöhte Schwarz kontinuierlich den Druck, doch Robert behielt einen kühlen Kopf und verteidigte sich umsichtig. Der schwarze Bauer auf c3, der so gerne zum Helden des schwarzen Spiels geworden wäre, wurde zuverlässig durch einen weißen Springer auf c2 blockiert. Schwarz fand keinen Weg, die weiße Stellung zu knacken, sodass die Partie am Ende im Remis endete.

In der spektakulärsten Partie des Tages brachte ein Bauer schließlich den Sieg. Phillip Lerche (5) bekam mit Weiß nach 11 Zügen folgende Stellung auf das Brett:

Schwarz hatte im vorletzten Zug 10…g5 gezogen, mit der Idee, mit 11…Se5 die weiße Dame anzugreifen und den Bauern anschließend mit 12…Sfd7 zurückzuerobern. Weiß hat allerdings einen mächtigen taktischen Schlag, der die schwarze Stellung erschüttert.

12. gxf6!! Sxf3 13.fxe7 Db6 14.gxf3

Weiß hat drei Leichtfiguren für die Dame und einen Bauern auf e7, der, wenn er sprechen könnte, wohl vor Glück schreien würde. Ein Feld vor der Umwandlung entfernt, lähmte der Bauer das schwarze Spiel komplett. Schwarz kämpfte noch tapfer, gab die Dame für einen Turm und Springer zurück, doch schließlich brachte der Bauer e7 den Sieg.

Beim Stande von 3:4 hatte nun Frank Bitter (6) die undankbare Aufgabe, das Mannschaftsremis zu retten, allerdings befand sich Frank zu diesem Zeitpunkt schon in einem schlechten Turmendspiel. Das Problem: ein gegnerischer Freibauer war bereits nach d6 gelangt. Vom sehr aktiven weißen König untersützt, brachte dieser Bauer schließlich den Sieg und uns die erste Saisonniederlage ein.

Mit diesem verdienten Sieg rehabilitiert sich Markdorf von der Auftaktniederlage, während wir die Tabellenspitze logischerweise abgeben mussten. Für uns geht es am 4.11. gegen die stark gestarteten Lindauer weiter, denen wir hoffentlich ein engeres Match als letzte Saison liefern können 🙂

Br. SK Markdorf 1 SC Weiße Dame Ulm 2 5:3
1 Knödler, Dieter (2214) Mierzwa, Robert (1979) ½:½
2 Jurisic, Zlatko (1999) Sieber, Heiko (1913) ½:½
3 Schroeder, Johannes (1995) Hartmann, Thomas (1894) 1:0
4 Zdzuj, Christian (1932) Deißler, Helmut (1845) 1:0
5 Savic, Robert (1923) Lerche, Philipp (1804) 0:1
6 Arnold, Thomas (1890) Bitter, Frank (1864) 1:0
7 Oestreicher, Hans-Ulrich (1902) Kelemen, Alexander (1800) 0:1
8 Wulf, Jürgen (1869) Ringhut, David (1731) 1:0

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