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Groß, Größer, Grenke Chess: Die Ulmer Bilanz beim größten Schachturnier Europas

Groß, Größer, Grenke Chess: Die Ulmer Bilanz beim größten Schachturnier Europas

Mit einer gigantischen Teilnehmerzahl von rund 1500 startete in diesem Jahr das Grenke Chess Open in Karlsruhe.

Es ist groß. Und es wird immer größer. Die dritte Auflage des Grenke Chess Open, das Nachfolgerturnier des Neckar-Opens, das seinerzeit im beschaulichen Deizisau stattfand, stellte auch in diesem Jahr wieder einen neuen Teilnehmerrekord auf. 1500 Schachfreunde aus ganz Europa fanden sich über die Ostertage in der Schwarzwaldhalle in Karlsruhe ein, um in drei Gruppen einen Sieger unter sich auszumachen. Natürlich ließen es sich auch einige Ulmer nicht nehmen, an diesem wahrhaftigen Schachfest teilzunehmen. Namentlich waren das Johannes Bathray, Rainer Wolf, Uwe Gebhardt, Matthias Schwab (für Böblingen aktiv, aber einmal Ulmer, immer Ulmer), Achim Zahn, Marius Deuer, Rainer Krauß, euer Berichterstatter Alexander Kelemen und natürlich, nicht zu vergessen, Familie Fröhlich.

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Offensichtlich hat Kevin die Blitzpartie um den gemeinsamen Nachnamen verloren. Ihr habt es doch ausgespielt, wie es sich für Schachspieler gehört, oder? 🙂

Für mich war es die erste Teilnahme am Turnier, und neben großer Vorfreude war ich auch sehr gespannt darauf, wie das Turnier mit einer so hohen Teilnehmerzahl organisiert sein würde. Ich machte mich innerlich schon auf sehr wenig Platz am Brett gefasst. Zu meiner großen Freude wurde ich dann allerdings eines viel Besseren belehrt. Zwei gigantische Spielsäle machten es möglich, dass jedes Brett einen eigenen Tisch bekam. Auch die nötige Turnierruhe war gegeben, auch wenn bei so vielen Menschen völlige Stille schlichtweg nicht möglich ist. Auch in anderen Bereichen des Turniers haben die Organisatoren um Sven Noppes hervorragende Arbeit geleistet: in beiden Spielsälen gab es eine Leinwand mit den Liveübertragungen der Spitzenbretter des A-Turniers (später dann vom Grenke Chess Classic, das am Samstag begann), es gab eine Live-Kommentierung mit Großmeister Klaus Bischoff und kreative Aktionen am Rande des eigentlichen Turniers. Ein großes Highlight war natürlich das Grenke Chess Classic mit Weltmeister Magnus Carlsen und anderen Superstars.

Doch nun zu dem, was die Ulmer auf den Brettern fabriziert haben. Vor den guten Zügen musste man zunächst aber sein Brett im richtigen Spielsaal finden, was nicht immer auf Anhieb gelang (zumindest mir nicht). Das Schach spielen gelang einigen von uns dann aber besonders gut. Robert Mierzwa sei Dank hat sich die freudige Kunde über die Auftaktrunde bereits auf unserer Webseite verewigt, weil es aber so grandios war, sei es hier noch einmal erwähnt: in Runde 1 konnte Johannes Bathray dem Super-GM Wang Hao ein Remis abknöpfen, und tatsächlich war der 2700 ELO schwere Chinese damit noch recht gut bedient, stand Johannes doch zwischenzeitlich besser! Für die zweite Sensation sorgte dann Franziska, die, am Ende der Startrangliste im A-Turnier angesiedelt, einfach mal so einen IM schlagen konnte. Wer die Partie gesehen hat, konnte sich schon fragen, wer denn nun den Titel trägt, so überzeugend konnte Franziska mit den weißen Steinen gewinnen. Auch später gegen Wang Hao ließ sich Franziska nicht vom Namen und der Elo beeindrucken und spuckte in der Eröffnung sogar eine Qualität! Auch wenn die Partie am Ende verloren ging, war das wahrlich ein Einstand, den man sich wünschen kann. Man darf gespannt sein, wann die Begegnung „Weiße Dame vs. Wang Hao“ in die nächste Runde geht!

Für Franziska lief das restliche Turnier sehr gut weiter: in Runde 4 bezwang sie einen ebenfalls deutlich höher gewerteten Gegner nach 5 Stunden Spielzeit in einem Endspiel Turm und Bauer gegen Turm, und brachte damit gewiss Johannes‘ Trainerherz zum höher schlagen. Da sage mal noch einer, Endspieltraining lohne sich nicht! Am Ende reist Franziska mit einem deutlichen ELO-Zuwachs und einem IM-Skalp aus Karlsruhe ab. Für das nächste Jahr muss man sie wohl gewiss nicht mehr zur Teilnahme am A-Open überreden.

Johannes musste in Runde 2 gleich gegen den nächsten Großmeister ran (GM Burmakin). Zwar musste er sich hier geschlagen geben, konnte aber im weiteren Verlauf des Turniers noch ein paar schöne Siege einfahren. Als „GM-Schreck“ hat er seinen Platz in den Geschichtsbüchern der Weißen Dame sicher!

Doch auch die anderen Ulmer schlugen sich im mit zahlreichen Titelträgern und vielen jungen Talenten gespickten A-Open durchaus wacker und konnten einige schöne Siege erringen. Am erfolgreichsten war dabei Matthias Schwab,  doch auch Rainer Wolf und Uwe Gebhardt können auf alle Fälle zufrieden mit ihren Leistungen sein.

Im B-Open stach vor allem der Jüngste aus unserer Gruppe hervor: Marius Deuer spielte ein sehr starkes Turnier, und seine sechs errungenen Siege gegen unter anderem höher gewertete Gegner sprechen eine eindeutige Sprache. Ebenfalls auf starke 6/9 Punkte kam Rainer Krauß. Achim Zahn startete ebenfalls im B-Turnier und konnte sich dort gegen einige höher gewertete Gegner behaupten.

Kevin Fröhlich spielte ebenfalls sehr ansehnliches Schach und erspielte sich viele aussichtsreiche Stellungen, in denen am Ende oft nur ganz wenig zum Sieg fehlte. Es stimmt eben doch, dass es im Schach nichts Schwierigeres gibt als gewonnene Stellungen zu gewinnen. Für mich war das Turnier aus schachlicher Sicht alles andere als zufriedenstellend, dennoch möchte ich die vielen Eindrücke vom Turnier nicht missen. Die Atmosphäre, mit so vielen Schachspielern auf einem Flecken, erlebt man nur selten, und selbstverständlich war es auch spannend, den Weltmeister und die zahlreichen Spitzenspieler live zu erleben.

Damit dieser Bericht nicht noch mehr Überlänge bekommt (falls ihr es bis hierhin geschafft habt, danke ich für die Geduld), schließe ich an dieser Stelle mit einem sehr positiven Fazit, und kann jedem nur empfehlen, bei diesem Turnier einmal teilzunehmen, ganz nach den weisen Worten von Kevin: „Spiel Spaß und hab Schach!“. Beides bietet das GRENKE Chess Open allemal!

 

2 Kommentare

  • Hannelore Ufschlag

    War sehr unterhaltsam zu lesen und nebenbei,kann man auch noch Neues aus dem privaten Bereich erfahren! 💓 lichen Glückwunsch!

  • Eugen Eiswirth

    Alexander, danke für die Einblicke. Mein Interesse hast du geweckt.
    Glückwunsch an alle „einmal Ulmer, immer Ulmer“ Teilnehmer.