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Punktgewinn für die Erste! – Wichtiger Sieg für die Zweite

Punktgewinn für die Erste! – Wichtiger Sieg für die Zweite

am 16. Dezember 2017Kommentare geschlossen

Ein etwas verspäteter Bericht über einen spannenden Doppelkampf letzten Sonntag.

SC Weiße Dame Ulm 1 – Heilbronner SV 1   4:4

Spielbericht von Rainer Wolf

Erste jetzt mit erstem Punkt!

Das ging nochmals gut … hörte man  die Gäste aus Heilbronn kurz nach dem Match am vergangenen Sonntag in der Neuen Mensa am Oberen Kuhberg sagen.
Wie es sich für gute Gäste gehört hatten die Heilbronner zur 5. Runde in der Oberliga direkt ein Gastgeschenk in Form eines kampflosen Punktes mitgebracht, das Uwe selbstverständlich gerne entgegen nahm. Ansonsten waren wir an allen Brettern wertungstechnisch deutlich unterlegen -das aber ist die Erste inzwischen gewöhnt und macht uns schliesslich auch nichts aus. Tatsächlich ging es schnell sehr fulminant zu und dazu noch an fast allen Brettern zu unserem Vorteil.

Besonders an den vorderen vier Brettern ging es sehr spannend zu und Frank und Franz-Josef mussten am Ende nach tollen Partien mit einer Punkteteilung zufrieden sein, wobei die Gegner doch deutlich aufgeatmet haben. Ebenso liess Arne am Spitzenbrett nichts anbrennen und remisierte sicher und problemlos. Bei Robert und Viktor waren die Gegner am Ende zu stark – aber auch hier gab es zwischendurch gute Chancen. Rainers Partie war schon fast beispielhaft für den kompletten Kampf : gut gestartet, dann einen deutlichen Vorteil erspielt – leider den Plan verloren und am Ende sogar noch Glück gehabt, dass sein Gegner jetzt nicht selber noch auf Gewinn spielte : Remis! Den krönenden Abschluss und den ersten Mannschaftspunkt machte aber in der letzten Partie Heiko klar : in einem  spannenden Spiel von Anfang an konnte er seinen starken Heilbronner Gegner deutlich in die Schranken weisen und gewann am Ende klar!

Damit wissen wir ja nun wie es sich anfühlt, nicht zu verlieren, und ein Sieg wird im nächsten Jahr hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten lassen. Aber jetzt ist erst mal wohlverdiente Winterpause angesagt :-). Am 21. Januar gehts weiter in Stuttgart.

Br. SC Weiße Dame Ulm 1 Heilbronner SV 1 4:4
1 Jochens, Arne (2233) Schulze, Ulrich (2282) ½:½
2 Fleischer, Frank (2180) Zuferi, Enis (2294) ½:½
3 Egle, Heiko (2164) Schmidt, Tobias (2223) 1:0
4 Weber, Franz-Josef (2046) Degenhard, Simon (2153) ½:½
5 Mierzwa, Robert (1990) Stürmer, Robin (2216) 0:1
6 Wolf, Rainer (2004) Tschlatscher, Thomas (2117) ½:½
7 Gebhardt, Uwe (1953) Mages, Steffen (2101) +:-
8 Lainburg, Viktor (1833) Wenninger, Patrick (2049) 0:1

Zur 1. Mannschaft

SC Weiße Dame Ulm 2 – SC Obersulmetingen 1   4,5:3,5

Parallel zum Oberliga-Match empfing unsere Zweite mit Obersulmetingen einen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt. Dementsprechend wichtig war es für uns, in diesem Match etwas mitzunehmen, um nicht tief unten reinzurutschen. Glücklicherweise gelang dies schlussendlich, wenn auch nur denkbar knapp. Angesichts des Geschehens auf den Brettern hätte es auch gut andersherum ausgehen können. Doch der Reihe nach.

Schmerzlicherweise mussten wir in diesem wichtigen Spiel auf Heiko Sieber und Franziska Fröhlich verzichten. Umso besser war es, dass Jürgen Bühler wieder einmal mitmischen konnte, der seine Partie als erster beendete. Mit den weißen Steinen spielend, erreichten Jürgen und sein Gegenspieler nach 12 Zügen folgende Stellung:

Was war das denn? Entweder ist Jürgens Gegner ein ausgesprochener Symmetrieliebhaber, oder er wollte die hypermoderne Schule einmal besonders hypermodern interpetieren. Was wohl Tarrasch dazu gesagt hätte? Jürgen versuchte im Laufe der Partie am Königsflügel aktiv zu werden, doch die schwarze Stellung geriet nie sonderlich in Gefahr, sodass der Remisschluss am Ende die logische Folge war.

Eine sehr spektakuläre Partie entwickelte sich bei Albert Lepschi, der mit Caro-Kann aufschlug und, nichts Böses ahnend, seine Springer im 15. Zug nach d5 zog:

Die Eröffnungsphase lief für Schwarz durchaus zufriedenstellend, doch nun entkorkte Alberts Gegner hier aus dem Nichts 16.Lxh6!. Zufälligerweise stand ich zu diesem Zeitpunkt gerade neben Alberts Brett, und ich dachte mir, nein, das kann nicht funktionieren. Tatsache ist aber, dass Weiß nach jedem anderen Zug sogar schon leicht schlechter steht! Hut ab für diesen Mut.

Die Pointe des Ganzen wird ersichtlich, wenn Schwarz den Fehdehandschuh aufnimmt und den Läufer schlägt: 16…gxh6 17. Sh5! mit der furchteinflössenden Drohung 18.Dxh6. Sofort 17.Dxh6? wäre dagegen wegen 16…Df4-+ schlecht gewesen. Achtung, fünf Euro fürs Phrasenschwein: „Die Drohung ist stärker als die Ausführung“. Nach zum Beispiel 17…f6 18.Dxh6 Tf7 19.Dg6+ Kf8 20.Dh6+ hat Schwarz nichts besseres, als sich auf eine Remisschaukel einzulassen. Eine Flucht Richtung Ausgangsfeld würde dem Schwarzen hingegen zumindest Material kosten nach 21…Ke8 22.Sg7+, denn der Springer muss genommen werden, da ansonsten 23.Sxe6+ der Partie schnell ein Ende setzten würde.

Offenbar wollte sich Albert darauf nicht einlassen und zog 16…f5, wonach sich ein kompliziertes taktisches Handgemenge entwickelte. Wild schaukelten die Waagschalen, aber wer soll es den beiden Kontrahenten angesichts solch einer komplizierten Stellung verdenken? Letztendlich neigte sich die Waage zugunsten von Albert, der mit einem hübschen Opfer das Finale furioso einleitete:

23…Txh3! 24.gxh3 Sxf4 und der ausgeräucherte weiße König erlag in der Folge der langen Diagonal a8-h1.

Der Ausgleich für unsere Gäste aus Obersulmetingen fiel an an Brett 8, wo Alexander Hoffart, der dankenswerterweise unsere Mannschaft komplettierte, leider einem Blackout zum Opfer fiel und in einer ausgeglichenen Stellung eine Qualität einstellte. Noch tragischer verlor aber Norbert Baur, der mit Weiß den Franzosen seines Gegners offensiv bearbeitete und sich einen deutlichen Vorteil herausspielte. Doch leider überschritt er wenige Züge vor der Zeitkontrolle die Zeit.

Philipp Zitzelsberger brachte uns aber wieder zurück ins Spiel. Mit Schwarz stand er bald nach der Eröffnung wesentlich aktiver, auch weil die Figuren seines Gegners sich gegenseitig auf den Füßen standen und nie so richtig in das Spiel eingreifen konnten. Irgendwann war der weiße Laden nicht mehr haltbar und Philipp gewann.

Helmut Deißler hatte an diesem Tag die DWZ-schwerste Aufgabe zu bewältigen. Über weite Strecken der Partie hielt er mit Schwarz gut mit und hielt die Partie in ausgeglichenem Fahrwasser. Irgendwann ging ein Bauer verloren, und die Kontrahenten landeten in einem Turmendspiel mit 3 gegen 3 Bauern auf einem Flügel mit entfernten Freibauer für Weiß auf der a-Linie. Da aber die weißen Königsflügelbauern etwas schwach auf der Brust waren, gelang es Helmut, einen Bauern zurückzugewinnen, in der Zwischenzeit allerdings gelangte der weiße Turm hinter den Freibauern. Eine richtige Bewertung dieses Endspiel übersteigt leider meinen beschränkten Schachverstand, vom Gefühl her aber muss Schwarz dieses Endspiel nicht verlieren. Doch wie schnell greift man in solchen Endspielen fehl? So geschah es leider auch Helmut, der den gegnerischen König zu aktiv werden ließ und in der Folge aufgeben musste.

Die beiden verbliebenen Partien aber ließen uns hoffen. Ich bekam es mit Grünfeld-Indisch zu tun. Irgendwann im Mittelspiel, so schien es mir, stand ich besser, doch in beidseitiger Zeitnot verpassten beide Seiten Chancen. Zu meinem Glück griff mein Gegner einmal mehr fehl, so dass ich am Ende einen etwas glücklichen Sieg einfahren konnte.

Den Sieg perfekt machte dann unser Spitzenbrett Thomas Hartmann. Aus einer super-soliden Stellung heraus kreierte Thomas mit Schwarz einen Königsangriff mit verdoppelten Türmen auf der h-Linie bei vollem Brett (wohlgemerkt: der schwarze h-Bauer stand noch auf h7!). Irgendwann gab Thomas beide Türme für die weiße Dame plus Bauer, ein Materialverhältnis, das nicht immer klar zu bewerten ist. Der luftig stehende weiße König gab Thomas‘ Dame aber genug Angriffsziele, sodass auch diese Partie zu unseren Gunsten ausging.

Unterm Strich geht der Sieg vielleicht in Ordnung, aber die starken Obersulmetinger haben gezeigt, dass sie im Abstiegskampf noch ein gehöriges Wörtchen mitreden werden. Angesichts der Ausgeglichenheit der Liga dürfen die kommenden Spieltage im neuen Jahr mit Spannung erwartet werden. Dank diesem Sieg überwintert die Zweite auf einem Mittelfeldplatz, bevor im Januar dann der nächste Knaller gegen Mengen steigt.

Br. SC Weiße Dame Ulm 2 SC Obersulmetingen 1 4,5:3,5
1 Hartmann, Thomas (1962) Müller, Philipp (1894) 1:0
2 Bühler, Jürgen (1947) Beul, Heiko (1771) ½:½
3 Deißler, Helmut (1839) Gretzinger, Andreas (2013) 0:1
4 Kelemen, Alexander (1788) Böhringer, Reinhold (1773) 1:0
5 Zitzelsberger, Philipp (1849) Volz, Klaus (1738) 1:0
6 Baur, Norbert (1728) Hengstberger, Ulli (1799) 0:1
7 Lepschi, Albert (1717) Maucher, Richard (1650) 1:0
8 Hoffart, Alexander (1728) Hein, Christoph (1612) 0:1

Zur 2. Mannschaft

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