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Zweite tapfer gegen Tabellenführer

Zweite tapfer gegen Tabellenführer

am 1. Dezember 2016Kommentare geschlossen

Bereits vor zwei Wochen traf unsere Zweite auf den Tabellenführer aus Tettnang. Hier der verspätete Spielbericht eines dramatischen Spieltages.

SC Tettnang 1 – SC Weiße Dame Ulm 2   5:3

Dann ist es also doch passiert: nach den beiden ersten erfolgreichen Auftaktmatches mussten wir nun am dritten Spieltag die erste Saisonniederlage hinnehmen. Allerdings scheint diese gegen den Tabellenführer aus Tettnang verkraftbar, zumal am Ende vielleicht sogar ein Mannschaftspunkt drin gewesen wäre! Werfen wir einen Blick auf das Geschehene…

Heiko Sieber (1) sah sich gegen Jürgen Längl einmal mehr einer sehr schweren Aufgabe gegenüber, ließ sich aber vor der hohen Wertungszahl seines Gegners nicht beeindrucken und wartete in der Abtauschvariante des Damengambits mit einer waschechten Überraschung auf. Statt wie gewöhnlich 10. 0-0 zu spielen, packte Heiko mit Weiß 10. 0-0-0!? aus. Zunächst entwickelte sich das Spiel recht Damengambit-typisch – dann aber versuchte sein Gegner die lange Rochade zu „bestrafen“ und zog seine Bauern am Damenflügel auf. Es entwickelte sich ein scharfer Kampf, in dem Schwarz alsbald überzog und eine Qualität opferte, ohne genügend Kompensation zu haben. Heiko verwertete dann sicher im Endspiel.

Thomas Hartmann (2) spielte Bogo-Indisch, sein Gegner antwortete mit dem modernen 4. Sbd2. Später gewann Weiß Raum am Damenflügel, Thomas bemühte sich um Kontrolle über das wichtige Zentralfeld e4. Dann aber ließ er zu, dass die weiße Dame sich seinen Bauern auf a7 einverleibte – durch geschicktes Manövrieren konnte Thomas diesen materiellen Nachteil aber größtenteils ausgleichen. Am Ende jedoch unterschätzte er den gegnerischen b-Freibauern, bis er nicht mehr aufzuhalten war.

Etwas schlechter aus der Eröffnung kam Franz Schmid (3) mit den weißen Steinen. Der gegnerischen Initiative erwehrte er sich lange, bis diese dann doch zu groß wurde und Franz sich am Ende geschlagen geben musste. Ihre Eröffnungsschlacht hatte dagegen Franziska Fröhlich (4) ganz klar gewonnen, nach vielen unorthodoxen Bauernzügen ihres Gegners hatte sie mit Schwarz sogar bald schon das bessere Spiel. Selbst als ein Bauer verloren ging, war die Stellung noch immer angenehm. Am Ende ruinierte aber ein taktischer Fehlgriff die Stellung, als ein Figurenopfer nicht die gewünschte Wirkung fand. Anyway, ein wunderbares Beispiel, was man mit solidem Eröffnungsspiel selbst mit Schwarz alles erreichen kann!

Einen echten Volltreffer landete Alex Hoffart (5) mit Weiß  gegen den wertungstechnisch klar überlegenen Marc Kreuzahler. Nachdem Schwarz sich zu gierig eine Bauern einverleibte, konnte Alex sich mit einer sehenswerten Kombination eine Mehrfigur sichern, die er dann auch sicher verwertete.

Alex Kelemen (6) folgte anfangs scheinbar seiner persönlichen Abmachung für diese Saison, mit „Weiß hui, mit Schwarz pfui!“. Aufs Brett kam ein Grand Prix Angriff (1. Sc3 c5 2. e4 Sc6 3. f4 g6 4. Sf3 Lg7), Alex (natürlich!) auf der sizilianischen Seite. Sein Gegner Marius Kaiser warf ihn allerdings mit dem kreativen Bauernopfer 5. a3!? e6 und 6. b4!!?? völlig aus dem Konzept. Alex, seiner inneren Gier wieder einmal unterwürfig, schnappte sich den Bauern, unterschätze dann allerdings seine Schwächen auf den schwarzen Felder. Bald schon fielen die weißen Figuren über seine Stellung her. Nach nur wenigen Zügen stand Alex schon so unter Druck, dass gar ein Damenverlust drohte! Daher zog er rustikal die Notbremse und opferte eine Qualität – die grundsätzliche Idee wohl richtig, die Umsetzung allerdings falsch. So blieb die Stellung äußerst unangenehm. Doch immerhin wurde die Stellung unübersichtlich und kompliziert, und in den taktischen Verwicklungen schaffte er es dann doch, zumindest etwas Gegenspiel aufzubauen. Am Ende hatte er gar eine Remisschaukel auf dem Brett, bekam den Sieg dann aber durch einen einzügigen Einsteller seines Gegners in Zeitnot geschenkt. Ein Sieg mit deutlich mehr Glück als Verstand!

Norbert Baur (7) begegnete dem Franzosen seines Gegners angriffslustig, allerdings ließ er sich dabei einen Bauern abluchsen. Dieser ließ sich letztlich nicht mehr aufwiegen, Norbert musste sich geschlagen geben. Beim Stande von 3:4 musste Albert Lepschi (8) unbedingt gewinnen, allerdings hatten wir nur wenig Hoffnung – Albert musste ein Springerendspiel mit zwei Minusbauern bestreiten, von einem Sieg sprach hier also niemand. Dann aber machte es sein Gegner unnötig kompliziert – Albert opferte seinen Springer, dafür konnte sein verbliebener Bauer bis auf die vorletzte Reihe vorrücken.

In dieser Stellung musste Weiß den einzigen Gewinnzug finden – wer sieht ihn? Auflösung weiter unten!

Stattdessen spielte der Weiße 63. b6? und nach 63…e1/D hätte Weiß sich wohl gerade noch so mit 64. Sc7 das Remis retten können, da Schwarz sich wohl mit Dauerschach begnügen muss (Bitte um Korrekturen, falls das nicht stimmt:) ). 64. Sd8+?? aber war der falsche Weg. Nun sah es sehr gut aus für Albert – am Ende ging die Partie aber doch noch verloren, weil sein Blättchen fiel.

Der dramatische Schlusspunkt eines spannenden Mannschaftskampfes, der letztendlich aber wahrscheinlich nicht unverdient an Tettnang ging. Wir konnten aber auf alle Fälle erhobenen Hauptes die Heimreise antreten. Damit reihen wir uns erstmal im Mittelfeld der Tabelle ein. Am nächsten Spieltag empfangen wir die punktgleichen Schachfreunde aus Mengen zum direkten Nachbarschaftsduell.

Zur 2. Mannschaft

 

Auflösung: 63. Sc7! sichert Weiß hier den Sieg – Weiß bekommt seine Dame ebenfalls, und der b-Bauer dürfte dann nicht mehr aufzuhalten sein.

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