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Wichtiger erster Saisonsieg für die Zweite

Wichtiger erster Saisonsieg für die Zweite

am 30. Oktober 20161 Kommentar

Am Sonntag vor einer Woche konnte unsere Zweite einen knappen, aber verdienten ersten Saisonsieg feiern.

SC Weiße Dame Ulm 2 – TG Biberach 2   4,5:3,5

Puuuh, einmal tief durchatmen bitte! Dieser Mannschaftskampf war nichts für schwache Nerven – auf den Brettern ging es gehörig zur Sache, die Kontrahenten schenkten sich aber auch mal überhaupt nichts. Klar, schließlich galt es für beide Seiten nach dem erfolgreichen Saisonauftakt nachzulegen: für Biberach, um mit zwei Auftaktsiegen vorne mitzuspielen, für uns, um nicht frühzeitig wieder unten reinzurutschen.

Ganze 87 Züge sah die Begegnung zwischen Heiko Sieber (1) und Daniel Müller. Diskutiert wurde die Slawische Verteidigung mit weißem 3. Sc3 und 4. e3, wonach sich Heiko für die solide 4…g6-Variante entschied. Im Mittelspiel konnte Heiko etwas Druck am Damenflügel über die offene b-Linie aufbauen, manövrierte seine Schwerfiguren dann aber auf unglückliche Felder und musste seine Dame für einen Turm und eine Leichtfigur geben. Heiko wehrte sich lange tapfer, schaffte es im Endspiel aber nicht, eine abrisssichere Festung aufzubauen – das Spitzenbrett ging also an die Gäste aus Biberach.

Eine Partie mit Schönheitspreis-Potenzial spielte Thomas Hartmann (2) mit Weiß gegen Vadim Reimche. Aus einer eigentlich ruhigen Eröffnung heraus geriet das Brett plötzlich in Flammen, als Schwarz mit der Dame tief in das weiße Lager eindrang und sich den a2-Bauern einverleibte. Nur fünf Züge später fand sich die Dame  im eigenen Lager wieder – allerdings auf dem überaus aktiven Feld a8. Die gewonnen Tempi nutzte Thomas, um genügend Kompensation aufzubauen. In einem kurzen Moment hätte Schwarz die Partie wohl zu seinen Gunsten wenden können, verpasste aber die Möglichkeit. In folgender Stellung packte Thomas dann einen wahren Hammerzug aus:

22. Sc6! schlug wie eine Bombe in die schwarze Stellung ein. Nach 22…bxc6 23. dxc6 entschieden die mächtigen weißen Bauern die Partie.

Turbulent war auch die Partie von Franz Schmid (3), die allerdings friedlich im Remis endete. Franz geriet ausgangs der Eröffnung unter Druck und musste sich einem Angriff gegen seinen eigenen Monarchen entgegenstellen. In den folgenden taktischen Komplikationen schaffte sich Franz einen Fluchweg ins Remis.

Der Gegner von Jürgen Bühler (4) rührte mit der Stonewall-Verteidigung Beton an, allerdings fand Jürgen die Lücke in der Verteidigungslinie von Schwarz und konnte die Partie sehenswert gewinnen. Alex Hoffart (5) bekam es als Schwarzer mit der ungewöhnlichen Zugfolge 1. e4 c6 2. Sc3 d5 3. f4 dxe4 4. Sxe4 Sf6 5. Sf2!? zu tun. Vielleicht kennt das jemand von den Caro-Cann Experten unseres Vereins? Ich jedenfalls nicht, Alex baute sich aber sehr sicher und solide auf, ließ dann aber eine unangenehme Fesselung seines Springers gegen die Dame zu, was später zum Verlust ebenjenes Springers führte – die Partie war nicht mehr zu halten.

Im Gegensatz zu den anderen Schauplätzen verlief die Partie von Alex Kelemen (6) ziemlich unspektakulär. Mit Weiß konnte er in der Abtauschvariante des abgelehnten Damengambits den typischen Minoritätsangriff am Damenflügel initiieren, Schwarz baute sich etwas zu passiv auf und ließ die weiße Initiative zu groß werden – 1:0.

Richtig geklopft wurde sich dann wieder in der Partie von Norbert Baur (7), der in einer Benoni-ähnlichen Bauernstuktur den rückständigen weißen e-Bauern sehenswert unter Druck setzte, schließlich eroberte und dann mit den Schwerfiguren über die e-Linie in das gegnerische Lager einfiel. Ein sehenswerter Sieg!

Auch an Brett 8 ging es brisant zu: gegen den Königsinder seines Gegners nahm Albert Lepschi (8) den Fehdehandschuh auf und reagierte mit der vielleicht prinzipiellsten Antwort: dem Vierbauernangriff. Nach 6…c5 7. d5 e6 8. Le2 exd5 9. cxd5 packte der Schwarze 9…b5!? aus; in dem folgenden taktischen Schlagabtausch zog Albert am Ende leider den Kürzeren und verlor Material sowie am Ende auch das Turmendspiel.

Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, standen wir also als Sieger dar; zwar knapp, aber sicherlich auch nicht unverdient, da wir zwischendurch mit 3,5:0,5 in Front lagen. Ein wichtiger Sieg, da wir nun nicht, wie noch in der letzten Saison, bereits von Beginn an um das nackte Überleben kämpfen müssen. Durch den Sieg schoben wir uns vorerst auf den geteilten 3. Platz vor, bevor uns dann am nächsten Spieltag mit Tettnang die wohl stärkste Mannschaft der Liga empfängt.

Zur 2. Mannschaft

1 Kommentar

  • Jonas Förderreuther

    Also GM Lars Schandorff gibt nach 1. e4 c6 2. Sc3 d5 3. f4 dxe4 4. Sxe4 Sf6 5. Sf2!? folgende Variante an: 5…g6 6.Sf3 Lg7 7.g3 Sg4 8.Sxg4 Lxg4 9.h3 Lxf3 10.Dxf3 Sd7 11.Lg2 Db6 12.Df2 e5 13.Dxb6 axb6 Mit schwarzer Initiative im Endspiel