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Kantersieg in der Verbandsliga

Kantersieg in der Verbandsliga

am 28. Januar 2015Kommentare geschlossen

Die englischen Wochen verlaufen für die erste Mannschaft weiter erfolgreich. Im verschneiten Donzdorf gewannen wir mit 7:1 gegen die erste Mannschaft der SSG Fils-Lauter.

Nachdem der Eingang zur Stadthalle gefunden war, ging es an fast allen Brettern sofort zur Sache – die ersten beiden Partien endeten bereits nach 16 bzw. 19 Zügen zu unseren Gunsten! Nachdem Rainer eine ruhige Eröffnung gewählt hatte, kam er zu einem raumgreifenden Bauernvorstoß im Zentrum. Direkt danach übersah sein Gegner einen unangenehmen Angriff auf seine Dame, welche daraufhin nur noch durch Aufgabe einer Qualität hätte gerettet werden können – stattdessen erfolgte die vielleicht etwas frühe Aufgabe. Viktor hatte bereits nach wenigen Zügen starken Druck auf die Damenindische Verteidigung seines Gegners aufgebaut, und konnte bald durch eine taktische Operation ein Endspiel mit 2 Mehrbauern (einer davon hatte sich von c4 über d5 und c6 bis b7 durchgeschlagen) erreichen, hier erschien die Aufgabe des Gegners nicht verfrüht.

Die nächste Entscheidung fiel an Heikos Brett – sein mit Schwarz spielender Gegner spielte eine scharfe Nebenvariante im offenen Spanier, die nach bestem weißen Spiel zu einem Endspiel mit 3 Leichtfiguren und Turm gegen 2 Türme,  Leichtfigur und 2 Bauern führt (eine der ersten Partien mit dieser Variante ist die Partie Capablanca-Lasker, New York 1915 – diese zeigt die typische Strategie für Weiß, die gegnerischen Bauern zu blockieren). Das Endspiel gilt zwar als besser für Weiß, doch in früheren Partien hatte Heikos Gegner hier gute Ergebnisse erzielt. Da Heiko das in der Vorbereitung gesehen hatte, wurde er nicht überrascht und konnte zum 3:0 erhöhen.

Am zweiten Brett schien die Eröffnung und das frühe Mittelspiel sehr kompliziert zu verlaufen, doch als die Stellung sich klärte, hatte Frank Raumvorteil im Zentrum und besser entwickelte Figuren. Nach einer taktischen Abwicklung konnte sein Gegner große Materialverluste nicht mehr abwenden, und musste aufgeben. Leider galt letzteres kurze Zeit später auch für Uwe – gegen seine moderne Verteidigung hatte sein Gegner in der Eröffnung deutlichen Raumvorteil erzielt, und Uwes in vergangenen Partien oft erfolgreichen taktischen Befreiungsversuche führten diesmal nicht zum Ziel.

In meiner Partie unterlief mir mit Weiß in der Eröffnung, trotz morgendlicher Vorbereitung auf der Hinfahrt, eine Ungenauigkeit, etwas später konnte ich aber dennoch eine Idee aus Boris Avrukhs GM Repertoire anwenden, was zu einer vermutlich etwas schlechteren Version der im Buch empfohlenen Variante führte. Aus mehreren guten Fortsetzungen wählte mein Gegner eine, die zu einer Stellung mit sehr aktiven schwarzen Figuren und (zumindest optisch) guten Angriffschancen führte, Weiß mit dem potentiell starken Läuferpaar aber einen langfristigen Vorteil als Gegengewicht besaß. Nach der komplizierten Eröffnung spielte für beide Seiten bereits etwa ab dem 20. Zug Zeitnot eine Rolle, und in einer vermutlich noch ausgeglichenen Stellung, in der die schwarzen Angriffsversuche vorerst abgewehrt zu sein schienen, entschied mein Gegner sich zu einem inkorrekten Qualitätsopfer. Es folgte eine Abwicklung in ein Endspiel, in dem Weiß Dame und Turm gegen zwei Türme, einen Läufer und einen Bauern besaß – passive Verteidigung hätte hier vielleicht noch Chancen auf ein Remis geboten. Bei beiderseitiger Zeitnot wurde die durch den fehlenden f-Bauern geschwächte schwarze Königsstellung zum entscheidenden Stellungsmerkmal – nachdem Schwarz zunächst vergeblich versuchte, seine Türme zu aktivieren, entschied ein Mattangriff die Partie für Weiß.

Etwa zeitgleich endete auch die Partie von Frank Bitter, der als Ersatz für Boris spielte. Nachdem sein Gegner die Tarrasch-Verteidigung mit der ungewöhnlichen Springerentwicklung nach d2 nicht unter Druck gesetzt hatte, boten sich dem Ulmer Spieler im frühen Mittelspiel einige aussichtsreiche Optionen – unter Anderem lag ein Qualitätsopfer auf e3 in der Luft. Franks Gegner versuchte, sich durch das Tauschen von Figuren auf c6 und b6 zu entlasten, was jedoch die schwarze Bauernstruktur verstärkte. Schließlich führte ein taktisches Übersehen in einer bereits schwierigen Stellung zum nächsten vollen Punkt für uns. Den siebten Punkt holte schließlich Franz-Josef aus einem besseren Endspiel. Nachdem sein Gegner die Eröffnung etwas inkonsequent gespielt hatte, hatten zuvor beide Seiten ihre Chancen in einem komplizierten Mittelspiel gehabt.

Der dritte Tabellenplatz ist damit vorerst verteidigt, wobei nicht vergessen werden darf, dass uns in den letzten Runden unter Anderem schwierige Kämpfe gegen Biberach und Pfullingen erwarten – beide Mannschaften gaben bisher keinen Punkt ab. Währenddessen ist das Liga-Orakel optimistisch und hält den Ulmer Aufstieg für doppelt so wahrscheinlich wie eine Platzierung >= 7. 😉

Der nächste Mannschaftskampf findet bereits in zwei Wochen statt – wir spielen in Ulm gegen die erste Mannschaft aus Langenau, die, momentan auf dem sechsten Platz, noch den einen oder anderen Punkt gegen den Abstieg sammeln muss.

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